Residenz für künstlerische Experimente

Über einen Open Call wurden drei Residenzen für künstlerische Experimente für Gruppen der freien Szene der Rhein-Neckar Region ausgeschrieben. Dabei fördert Schwindelfrei 2020 bewusst Konstellationen, die überregionale Arbeitsbeziehungen aufgreifen oder neu stiften und trägt damit der wachsenden Bedeutung überregionaler Kooperationen im Rahmen künstlerischer Produktion Rechnung. Die Gruppen werden ab 15. Juni 2020 drei Wochen in verschiedenen freien Theaterhäusern Mannheims arbeiten und ihre Arbeitsstände als szenische Skizzen, Kurzperformances oder offene Proben im Rahmen des Festivals präsentieren.

Die ausgewählten Projekte reagieren mit je spezifischen Fragen und ästhetischen Formen auf das Festivalthema „Fabulationen – more than a single story“: 

 

„Unser Land. Punkt“
von Tala Al-Deen, Vincent Bababoutilabo, Chana Dischereit und Laura Frey (Mannheim/Berlin)


Wie lässt sich der Wunsch, ohne Angst verschieden sein zu können, gegen Erzählungen der nationalen und kulturellen Reinheit verteidigen? Was der Qual entgegensetzen, auf ein Volk, eine Ethnie, ein Geschlecht oder einen Ort festgeschrieben zu werden? Diesen Fragen begegnet das interdisziplinäre Residenzprojekt „Unser Land. Punkt“ mit Impulsen aus Performance, Musik, Videokunst und politischer Arbeit. Die Installation verstärkt Stimmen einer Gesellschaft der Vielen und lädt dazu ein, einen gemeinsamen Raum zu teilen.     

 

„UNEASY“ 
von Amsbeck&Konsorten
Marielle Amsbeck, Nicole Amsbeck, Stefanie Büttgenbach und Giuseppina Tragni (Speyer/Essen)

Ein Blick eine Vulva eine Blume ein Tentakel ein Kabel ein Knoten ein Tisch. Ein Video eine Frau vier Frauen ein Spiel – Welche feministischen Verwandtschaften und Verbindungen werden in einer fabulierten Zukunft möglich? Vier Künstlerinnen unterschiedlicher Generationen stürzen sich in ihrer Residenz lustvoll in Aushandlungen zwischen Privatem und Politischem, Hashtags und Theorie, Generationenkonflikt und Begriffshoheit. In einer spekulativen Versuchsanordnung erforschen und befragen sie „den Feminismus“ und ihr eigenes feministisches Handeln.


„RE-COVER“
von Edan Gorlicki und seiner Compagnie INTER-ACTIONS (Heidelberg)


In den drei Wochen ihrer Residenz forschen die Tänzer*innen von INTER-ACTIONS gemeinsam mit Expert*innen aus Tanztherapie und Therapiewissenschaften zu den körperlichen Auswirkungen von traumatischen Erfahrungen. Wie reagiert der Körper auf einen Schock, wie wirken sich psychische Prozesse bei der Verarbeitung und Reintegration körperlich aus? Wie geht das Umfeld mit den Traumatisierten um? Und wie erzählt die Gesellschaft das Geschehen weiter?


TRANSFER –Programm für künstlerischen Austausch oder Mentoring

Ergänzend zu den Residenzen wurde 2020 für die regionale Szene das Transfer-Programm ins Leben gerufen – ein Austauschformat, das Künstler*innen mit ausgewählten Expert*innen zusammenbringt. Freie Gruppen und Häuser aus Mannheim konnten sich einmalig für eine finanzielle Unterstützung zu einem künstlerischen oder fachlichen Austausch bewerben. Qualifiziert hat sich das EinTanzHaus, das mit Thomas Schmidt, Professor für Theatermanagement, zusammenarbeiten wird.